Fachtag Gewaltige Medien in Gemünden


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Die Tagung

Hat die Gewalt in den Medien zugenommen? Wie wirkt die medial vermittelte Gewalt auf unsere Kinder? Welche Ballerspiele sind am Beliebtesten und warum? Was machen die FSK und USK? Wie lauten die praxisnahen Tipps für eine zeitgemäße Medienerziehung?

Dies sind nur einige der Fragestellungen, mit denen sich der Fachtag „Gewaltige Medien“ am 30. April 2008 in der Fachakademie für Sozialpädagogik in Gemünden beschäftigte. Teilgenommen haben angehenden Erzieherinnen und Erzieher aus den Fachakademien für Sozialpädagogik Gemünden und Würzburg, sowie pädagogisch Verantwortliche, die sich mit diesem Thema beschäftigen und grundlegende Informationen sowie vertiefende Auseinandersetzungen in Workshops suchten.

In der Ansprache von Sr. Hildburg Baumgartner (Direktorin der Fachakademie Gemünden) und Irmgard Hainz (Aktion Jugendschutz Bayern e.V.) wurden die rund 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßt. Diese nutzten die Gelegenheit, sich von kompetenten Referentinnen und Referenten informieren zu lassen und in Workshops im gemeinsamen Diskurs, sowohl in Diskussionen als auch in praktischer Auseinandersetzung, die Thematik zu vertiefen.

Hans-Jürgen Palme (SIN-Studio im Netz) vermittelte im Eingangsreferat einen Überblick über die verschiedenen Facetten von medialer Gewalt im Wandel der Zeit: angefangen mit einer Retrospektive bis hin zu den aktuell umstrittenen Computerspielen und Filmen. Bereits hier wurde als eine Antwort auf die Frage "Wie schütze ich Kinder vor diesem Teil der medialen Welt?" die Förderung der Medienkompetenz bereits im frühen Alter angeregt.

Im Anschluss daran folgten 7 Workshopangebote, die die Thematik "Gewaltige Medien" auf unterschiedliche Art und Weise vertieften:

Armin Anstett (Diplompädagoge) informierte über die Arbeit des Prüfgremiums der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle e.V.) und stellte die Kriterien für eine Alterskennzeichnung von Computerspielen vor, die vor allem auf psychologischen, pädagogischen und soziologischen Faktoren beruhen.

Irmgard Hainz (Aktion Jugendschutz Bayern) informierte über die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK). In einer fiktiven FSK-Prüfsitzung wurde die Altersfreigabe am Beispiel eines  Zeichentrickfilms "Das Geheimnis der Frösche" festgelegt. Die Positionen der Workshop-Teilnehmer/-innen schwankten zwischen einer Altersfreigabe ab 6 und ab 8/9, obwohl der Film ab 0 offiziell freigegeben wurde. Dies verdeutlichte, wie komplex und schwierig eine Bewertung – auch in den offiziellen Gremien – oftmals ist.

Doris Schalles-Öttl (Katholische Fachakademie für Sozialpädagogik) informierte in ihrem Workshop über aktuelle Internet-Trends bei Kindern und Jugendlichen. Sie stellte attraktive Webseiten für Kinder vor sowie Seiten, die sich für einen pädagogischen Einsatz eignen. Anhand von Beispielen demonstrierte sie die Gefahren des Internets und stellte Seiten vor, die Kindern und Jugendlichen einen sicheren Surfraum bieten.

Andreas Kirchhoff (Medienpädagoge) berichtete über den aktuellen Stand der Medienwirkungsforschung. Hierbei wurden verschiedene Wirkungstheorien und –modelle vorgestellt und kontroverse Positionen – unter Berücksichtigung der Medienerfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer– diskutiert. In diesem Zusammenhang warnte der Referent vor zu simpel gestrickten Wirkungsthesen und verwies darauf, dass es keine Hinweise auf monokausale Zusammenhänge und „Globalbeurteilungen“ gäbe. Um Wirkungen herauszufiltern sei eine differenzierte Betrachtungsweise notwendig.   

Hans-Jürgen Palme und Jennifer Burmeister (beide SIN - Studio im Netz e.V.) boten den Teilnehmern im Erfahrungsraum die Möglichkeit aktuelle Spieletrends für Kinder und Jugendliche (wie Playstation 2, Wii und aktuelle Software für den PC) selbst auszuprobieren. In einer anschließenden Diskussion unterhielten sich die Teilnehmer/innen angeregt über die eigenen Erfahrungen, den pädagogischen Wert und die möglichen Konsequenzen der Spiele auf das Verhalten der Kinder.

Alexandra Klauck (SIN - Studio im Netz e.V.) stellten das medienpädagogische Modellprojekt „Multimedia-Landschaften für Kinder“ vor. Vor allem die frühzeitige Ausformung der kindlichen Medienkompetenz steht hierbei im Zentrum. Die Referentin stellte außerdem „sinnvolle“ und für den Kindergartenbereich geeignete Spielsoftware vor.

Sabine Kögel-Popp (Evangelische Medienzentrale Bayern) informierte in ihrem Workshop anhand von aktuellen Beispielen über das nahezu grenzenlose Angebot von Kinderfilmen und gab Anregungen zur medienpädagogischen Arbeit. Neben einem Überblick über Lieblings-Fernsehsendungen von Kindern wurde anhand eines Ausschnitts des Kinderfilms "Findet Nemo" gezeigt, wie ein Filmgespräch mit Kindern aussehen kann. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden Möglichkeiten zum methodischen Einsatz des Kinderfilms erarbeitet, außerdem gab die Referentin einen Überblick über empfehlenswerte Kurzfilme für Kinder.

Am Nachmittag wurde der Fachtag abgerundet mit einem Plenumsreferat von Armin Anstett zur Fragestellung "Jugendmedienschutz, quo vadis?". Das Fazit hierbei: Das Jugendmedienschutzgesetz ist wichtig und hat sich vielfältig bewährt – aber: Angesichts der globalisierten Internetwelten kann der Schutz unserer Kinder nicht allein durch nationale Gesetzte und Verbote realisiert werden. Eine verantwortungsvolle Medienbildung unserer Kinder ist wichtiger denn je. Hierbei sind vor allem die pädagogisch Verantwortlichen gefragt.

 

Veranstalter: Aktion Jugendschutz – Landesarbeitsstelle Bayern e.V.
in Kooperation mit: Evangelische Medienzentrale Bayern & SIN-Studio im Netz e.V.

Veranstaltungsort: Fachakademie für Sozialpädagogik in Gemünden

Zeit: 30. April 2008 von 8:45 bis 14:15 Uhr

Organisation: SIN-Studio im Netz
 


Das Programm


08.45 Uhr  Ankunft, Check In

09:15 Uhr  Begrüßung
Sr. Hildburg Baumgartner (Oberstudiendirektorin Mädchenbildungswerk/ Fachakademie) Irmgard Hainz (Aktion Jugendschutz Bayern e.V.)

09:30 Uhr  Einführung: Gewalt & Medien
Facetten der medialen Gewalt mit Beispielen
(Hans-Jürgen Palme, SIN - Studio im Netz e.V.)

10.15 Uhr  Workshops:

Freigegeben ab…
Alterskennzeichnung für Computerspiele
(Armin Anstett, Diplom-Sozialpädagoge)

Medien wirken, aber wie?
Stand der Medienwirkungsforschung
(Andreas Kirchhoff, Medienpädagoge)

FSK - Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft
(Irmgard Hainz, Aktion Jugendschutz - Landesarbeitsstelle Bayern e.V.)

Erfahrungsraum
Computerspiel-Erlebnisse selbst erfahren
(Hans-Jürgen Palme und Jennifer Burmeister, SIN - Studio im Netz e.V.)

Medienpädagogisches Modellprojekt
Medieneinsatz in Kindertageseinrichtungen
(Alexandra Klauck, SIN - Studio im Netz e.V.)

Trends im Netz: Von der „Blinden Kuh“ bis zu You Tube“
Chancen und Gefahren
(Doris Schalles-Öttl, Medienpädagogin)

Filme für Kinder: Von „Spongebob“ bis „Rinnsteinpiraten“
Anregungen zur medienpädagogischen Arbeit
(Sabine Kögel-Popp, Evangelische Medienzentrale Bayern)

12.15 Uhr  Mittagspause

13.15 Uhr  Ergebnisse
Zusammenfassungen und Impressionen aus den Workshops

13.30 Uhr  Jugendmedienschutz, quo vadis?
Zum Stand des Jugendmedienschutzes (Armin Anstett, Diplom-Sozialpädagoge)

14.00 Uhr  Tagungsabschluss
Resümee der Veranstalter

 14.15 Uhr  Ende

 



Hier finden Sie Impressionen vom Fachtag.

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