9. Gautinger
Internet-Treffen
4. bis 5. März 2008
Radikal im Netz
Pädagogische, psychologische und politische Aspekte
der Internetnutzung von
Jugendlichen
Rund 100 Teilnehmer beschäftigten sich beim diesjährigen Gautinger Internet-Treffen mit den pädagogischen, psychologischen und politischen Aspekten der Internetnutzung von Jugendlichen.
Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass sich junge Menschen millionenfach in den virtuellen Welten tummeln und die Pädagogik in völlig neuen Dimensionen gefordert ist, um die damit einhergehenden Herausforderungen zu meistern. Ob Jugend- und Datenschutz, rechtsradikale Inhalte, Suchtgefahren oder digitaler Exhibitionismus, die vielschichtigen Konfliktpunkte erfordern zunehmend den interdisziplinären Austausch.
Aus pädagogischer Sicht sind die partizipativen Elemente des so genannten Web 2.0 höchst interessant, da viele Nutzungsanwendungen auch zur aktiven Teilhabe animieren. Aufgrund der „radikalen“ Online-Aktivitäten der Heranwachsenden erhöht sich die sozialisatorische Bedeutung von Medien vor allem da, wo es um social networks, also um die virtuellen communities, geht.
Die Auseinandersetzung mit Medien darf sich nicht in Verboten und/oder Wegschauen verlieren, sondern muss in breitenwirksamem Ausmaß in allen Erziehungsfeldern angegangen werden – so das Fazit des 9. Gautinger Internet-Treffens. Es darf nicht sein, dass es im Internet brennt und die Pädagogik pennt. Das provozierende Motto des diesjährigen Gautinger Internet-Treffens lautet daher: Jede Pädagogik heute ist auch Medienpädagogik.
Mit dem Verlauf der Veranstaltung waren die Kooperationspartner überaus
zufrieden. Die Resonanz der Tagungsteilnehmer belegt, dass das Thema „Radikal im
Netz“ den Nerv der Zeit getroffen hat.
Die
erstmalige Kooperation mit Jugend online hat sich als synergiereiche
Zusammenarbeit erwiesen.
Vorträge und Workshops
Eröffnet wurde die zweitägige Fachtagung von Dr. Christoph Busch von der Universität Siegen mit dem Vortrag „User generated Hate-Content – Rechtsradikalismus im Web 2.0“. Das Referat beleuchtete die Aktivität von Rechtsradikalen im Web 2.0, insbesondere, wie die Rechtsextremen die neuen Möglichkeiten nutzen und dabei versuchen, die Mitte der Gesellschaft zu beeinflussen.
Im Anschluss an dieses Einstiegsreferat folgten dann drei Workshops, in denen die Tagungsteilnehmer die Möglichkeit hatten, best practice-Modelle kennen zulernen, die sich mit diesem Handlungsfeld beschäftigen:
Fritz Burschel vom Bayerischen Jugendring stellte die Aufgaben der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus vor, Stefan Glaser erläuterte die Arbeit von jugendschutz.net und Birgit Marzinka stellte das Webportal zeitzeugengeschichte.de näher vor.
Der zweite theoretische Input folgte von Dipl. Psychologe Klaus Wölfling von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zum Thema „Online- / Computerspielsucht - ein psychopathologischer Symptomkomplex in der Adoleszenz“. Im Mittelpunkt des Referates standen dabei psychometrische Erhebungen bezüglich der diagnostischen Abhängigkeitskriterien sowie weiterer Variablen, die das Computernutzungsverhalten beeinflussen.
Anknüpfend an dieses Referat folgten drei Workshops, die einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichten:
Jörn Scheuermann von Condrobs ging auf das Thema „Pathologischer Internetgebrauch“ ein, Lea Niggemann stellte die Internetseite elternguide.info zum Thema World of Warcraft vor. Außerdem wurde der Film „Play Life“ mit Porträts jugendlicher Computerspieler vorgeführt.
Das Abendprogramm stand in diesem Jahr ganz unter dem Motto „Versinken im Netz“. In verschiedenen Workshops hatten die Teilnehmenden der Tagung die Möglichkeit, die vielfältigen virtuellen Spiel- und Onlinewelten wie bspw. SchülerVZ, You Tube, World of Warcraft und CounterStrike kennen zu lernen und auszuprobieren.
Parallel dazu fand eine Diskussionsrunde zum Thema „Baacke reloaded – Was bedeutet Medienpädagogik heute?“ statt. Auf den Punkt gebracht kam die Runde dabei zu der Erkenntnis, dass die kommunikative Seite des Netzes derzeit die produktive überwiegt und daher die Medienproduktion als eine Form der Medienpädagogik an Bedeutung verliert.
Der zweite Veranstaltungstag begann mit dem Vortrag „Reale Probleme in virtuellen Räumen“ von Martin Pinkerneil. Er gab einen Überblick über die am Markt vorhandenen Anwendungen und Geräte. Außerdem wurde ein Ausblick für die nächsten 2 bis 3 Jahre aufgezeigt. Die nahen Zukunftsvisionen sind spannend: Im virtuellen Dorf der Zukunft gibt das Handy ein Signal, sobald sich jemand in der Nähe befindet, der bspw. die gleichen Interessen hat.
Sabine Feierabend vom Südwestrundfunk stellte verschiedene Ergebnisse aus den aktuellen Studien Kinder und Medien (KIM) und Jugend, Information, (Multi-)Media (JIM) vor. Der Vortrag zeigte, in welchem Umfang Kinder und Jugendliche heute auf die unterschiedlichen Medien Zugriff haben, wie sich der Umgang zeitlich und inhaltlich beschreiben lässt und welchen Stellenwert die Medien im Vergleich zu nicht-medialen Freizeitaktivitäten haben. Ein interessanter Fakt ist dabei die hohe Verweildauer Jugendlicher vor den Medien. Wird der schulische Aufwand höher und verlängert sich die vor und mit den Medien verbrachte Zeit, gerät die Jugend- und Kulturarbeit zunehmend unter Konkurrenzdruck.
Die dritte Workshoprunde dazu wurde von Michael Lange gestaltet, der die Jugendarbeit in Second Life vorstellte. Mag. Christian Brauner sprach über das Projekt „Mobile LAN – betreute Netzwerkpartys in der Jugendarbeit“ und Franz Kratzer und Christoph Kaindel zeigten auf praktische Weise, wie die Videofunktionen des Web 2.0 verwendet werden können.
Treffpunkte im Web
Abgerundet wurde das Tagungsprogramm am Nachmittag durch Beiträge von
Content-Anbietern. Unter dem Titel "Treffpunkte im Web" stellten sich
vier Anbieter von Online-Jugendcommunities den Fragen der Teilnehmer:
Das populäre Freundesnetzwerk Lokalisten.de wurde von Dr. Peter Wehner vorgestellt, Philippe Gröschel sprach für das SchülerVZ, Daniel Poli von Jugend online stellte das Jugendportal Netzcheckers.de vor und Stefan Klingberg präsentierte das Online-Portal haefft.de.
Verantwortlich für das 9. Gautinger Internet-Treffen waren Albert Fußmann
(Institut für Jugendarbeit Gauting), Hans-Jürgen Palme (SIN - Studio im
Netz e.V., München), Jürgen Ertelt (Jugend online, Bonn) sowie die
Organisatorin Eva Deibele (SIN - Studio im Netz e.V. und Institut
Gauting).
Die Kooperationspartner des 9. Gautinger Internet-Treffens:
Institut für Jugendarbeit, Gauting
SIN - Studio im Netz e.V., München
Jugend online, Bonn