8. Gautinger Internet-Treffen

27. bis 28. März 2007

Allmächtige Medien!?

Was machen die Medien mit den Jugendlichen?
Und was machen die Jugendlichen mit den Medien?

 

Rund 100 Teilnehmer beschäftigten sich beim diesjährigen Gautinger Internet-Treffen mit den Möglichkeiten, Chancen und Risiken der partizipativen Medienangebote im "Web 2.0". Eine zentrale Fragestellung war dabei, ob die User der meist kostenlosen und einfach zu bedienenden Angebote ausschließlich davon profitieren oder ob sie sich auch zu "nützlichen Idioten" machen, die den Medienkonzernen private Daten und Inhalte zur Verfügung stellen.
Mit dem Verlauf der Veranstaltung waren die Kooperationspartner SIN – Studio im Netz, das Institut für Jugendarbeit und das Stadtjugendamt der LH München sehr zufrieden, auch das Feedback der Gäste war überaus positiv.

Vorträge

Eröffnet wurde die Fachtagung von Jörg Kantel, Betreiber des renommierten Weblogs schockwellenreiter.de, der seinen Vortrag überschrieben hatte mit dem Titel: "Partizipation 2.0 - Medientheorie und das Mitmach-Web". Kantel bezog theoretische Ansätze zur partizipativen Mediennutzung von Bertold Brecht, Magnus Enzensberger und Alexander Kluge ein und betrachtete aus diesem Blickwinkel die Web 2.0-Angebote.

Prof. Dr. Franz Josef Röll von der Hochschule Darmstadt unternahm am Abend eine digitale Reise durch das Web 2.0 und widmete sich der Frage, ob dieser Trend ein Phantom oder ein Phänomen sei. Er legte besonderes Augenmerk auf kreative und künstlerische Inhalte, die online zu finden sind. Außerdem wagte er eine Vorschau auf das "Web 3.0", das seiner Meinung nach ein "semantisches Web" sein werde: Den Usern würden hier die Informationen in stärkerem Maße als bisher maßgeschneidert geliefert, da diverse Programme die Interessen und Bedürfnisse jedes Einzelnen erfassen könnten.

Am zweiten Veranstaltungstag präsentierte Prof. Dr. Claus Tully vom Deutschen Jugendinstitut München aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema "Handys im Jugendalltag". Er ging dabei besonders auf die veränderte Gestaltung der jugendlichen Kommunikationsgewohnheiten und auf verschiedene Einsatzmöglichkeiten des vielseitigen Mediums Handy ein, beschäftigte sich aber auch mit den Kosten, die durch die Nutzung anfallen.

Die Informatikerin Constanze Kurz, die an der Humboldt-Universität zu Berlin und im ChaosComputerClub aktiv ist, stellte in ihrem Vortrag "Menschenprofile und Privatsphäre 2.0" die Datenschutzproblematik speziell bei partizipativen Angeboten im Internet dar. Sie verdeutlichte ihr Anliegen u.a. am Beispiel des Konzerns Google, der Angebote wie YouTube aufgekauft hat und diverse Internet-Dienste kostenlos bereitstellt. Auf diesem Wege könne Google detaillierte Profile von Internet-Usern erstellen und diese kommerziell nutzen.

Im aktualisierten Tagungsprogramm beschäftigte sich Christoph Kaindel (Netbridge Wien) mit dem Thema Gewalt, allerdings auf eher ungewöhnliche Weise: Er setzte sich mit historischen Aspekten von Gewalt und deren Bezug zur Gegenwart auseinander und erläuterte dies am Beispiel von Raufereien im Mittelalter.

Des Weiteren präsentierte Robert Huber vom Kreisjugendring München-Stadt / Café Netzwerk den Computerführerschein "Comp@ss". Diese Qualifikation, die eine Schnittmenge von formeller und informeller Bildung vereint, kann von Jugendlichen in Freizeiteinrichtungen wie dem Café Netzwerk erworben werden und ist bundesweit etabliert.

Medienprojekte aus München

Ein weiterer Programmpunkt war die Präsentation der Medienprojekte, die vom Münchner Stadtjugendamt gefördert wurden. Die Thematik, mit der sich die Projektpartner im Jahr 2006 beschäftigt hatten, lautete: "Gewaltig! Die eine und die andere Seite der Medien". Zehn Projekte setzten sich mit unterschiedlichen Aspekten dieses Themas in der Kunst- und Medienlandschaft auseinander.
Klaus Schwarzer, der Medienbeauftragte im Stadtjugendamt München, leitete diese Präsentationen aufgrund von Umstrukturierungen der Stadt zum letzten Mal, was von allen Seiten sehr bedauert wurde. Klaus Schwarzer wird sich anderen Aufgaben im Stadtjugendamt widmen, die Stelle des Medienbeauftragten wird es zukünftig nicht mehr geben.
Die Kooperationspartner dankten ihm für sein großes medienpädagogisches Engagement und die vertrauensvolle Zusammenarbeit der vergangenen Jahre.

best practice

Am zweiten Tag stellten sich im Programmteil "best practice" überregionale medienpädagogische Modellprojekte vor:

Franz Kratzer von Netbridge Wien präsentierte die neuen Technologien "Pervasive Computing und Mobile Tagging" und erläuterte mögliche Einsatzgebiete für die Jugendmedienarbeit.

Klaus Lutz vom Nürnberger Medienzentrum Parabol präsentierte in seinem Workshop "Make My Game" Möglichkeiten zur Gestaltung und Erstellung eigener Computerspiele.

Christine Wölfl und Daniela Berndl vom Ökoprojekt MobilSpiel München fragten: "Wann klingelt´s bei dir?" und stellten ihr Handy-Projekt vor, das an Münchner Schulen durchgeführt wurde

Lambert Zumgrägel, Medienfachberater des Bezirks Unterfranken, berichtete über Blogs und Web2.0-Sites, die zusammen mit Kindern und Jugendlichen erstellt wurden.

Treffpunkte im Web

Abgerundet wurde das Tagungsprogramm durch externe Beiträge aus der Praxis. Unter dem Titel "Treffpunkte im Web" stellten sich drei Anbieter von Online-Jugendcommunities den Fragen der Teilnehmer:

Das populäre Freundesnetzwerk Lokalisten.de wurde von Valentin Bauer und Alexander Wirth vorgestellt, sie äußerten sich auch zu kritischen Fragen hinsichtlich der Datensammlung und des Einstiegs der Pro7-Sat1-Media-AG bei der Lokalisten GmbH.

Das Online-Jugendmagazin jetzt.de, ein Angebot der Süddeutschen Zeitung, präsentierte Dirk von Gehlen. Er erläuterte die Weiterentwicklung der ehemaligen Zeitschrift "jetzt" zu einem interaktiven und partizipativen Internet-Angebot.

Jürgen Ertelt von IJAB e.V. stellte das Jugendportal Netzcheckers.de und die dort angebotenen Partizipationsmöglichkeiten vor und verwies auf die Möglichkeit, ein Subportal für die eigene Einrichtung zu erstellen.


Verantwortlich für das Gautinger Internet-Treffen waren Albert Fußmann (Institut für Jugendarbeit Gauting), Hans-Jürgen Palme (SIN – Studio im Netz e.V.), Klaus Schwarzer (Medienbeauftragter im Stadtjugendamt München) sowie der Organisator Björn Friedrich (SIN – Studio im Netz e.V. und Institut Gauting).

Impressionen der Veranstaltung finden Sie hier, weitere Informationen zum Thema gibt es im Weblog zur Veranstaltung.