7. Gautinger Internet-Treffen

7. und 8. März 2006

WWW – Weites Netz mit großen Lücken.
Zielgruppenspezifische Zugänge zum Web
 

Am diesjährigen 7. Gautinger Internettreffen beteiligten sich insgesamt ca. 100 pädagogisch Verantwortliche. Das Thema der Fachtagung lautete „WWW – Weites Netz mit großen Lücken, Zielgruppenspezifische Zugänge zum Web“.
Die Kooperationspartner SIN – Studio im Netz, das Institut für Jugendarbeit und das Stadtjugendamt der LH München waren überaus zufrieden. Auch die Teilnehmer zogen in der Abschlussrunde ein positives Resümee.

Im Eröffnungsvortrag von Dr. Nadia Kutscher vom Kompetenzzentrum informelle Bildung (KIB) an der Universität Bielefeld wurden zunächst die Internetnutzung von Jugendlichen anhand der JIM-Studie betrachtet. Dabei stellte sich heraus, dass die Onlinenutzung von Hauptschülern im Jahr 2005 um 4% zurückgegangen ist, wohingegen die der Gymnasiasten um 3% anstieg. Damit gewinnt die These der Digitalen Spaltung, nach der soziale Ungleichheit, wie sie zwischen Hauptschülern und Gymnasiasten besteht, durch das Internet noch verstärkt wird, an Gewicht. Demnach lautetet Dr. Nadia Kutschers Fazit, dass Internetangebote zielgruppenorientierter, genderspezifischer und flexibler gestaltet werden müssen, um die vielfältigen Bildungschancen auf dem Onlinemarkt zu nutzen, die Potentiale von Jugendlichen zu erkennen und um schließlich soziale Ungleichheit ein Stück weit abzubauen.

Dr. Dirk Halm vom Zentrum für Türkeistudien der Universität Duisburg-Essen stellte in seinem Vortrag eine Längsschnittstudie vor, die sich mit der Frage befasste, ob muttersprachliche Medien bei türkischen MigrantInnen zu einer medialen Gettoisierung führen oder ob sie im Gegenteil die Integration fördern. Dabei wurde deutlich, dass zwischen den deutschen und den türkischen Medien keine Konkurrenz, sondern ein Komplementärverhältnis besteht  und keine Hinweise auf eine „mediale Gettoisierung“ festzustellen sind.

Jutta Croll M.A. von der Stiftung Digitale Chancen stellte in ihrem Beitrag fest, dass Jugendliche zwar meist die Möglichkeit eines Internetzugangs haben, diesen jedoch  oftmals nicht kompetent nutzen. Auf dieser Erkenntnis aufbauend, entwickelte „Digitale Chancen“ das Projekt „Surfen zum Job“. Es greift genau dieses Defizit auf und bietet den Jugendlichen die Chance, die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit effektiv nutzen zu lernen. Das Projekt unterstützt die jungen Menschen dabei, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden.

Prof. Dr. Sylvia Buchen von der Pädagogischen Hochschule Freiburg ging in ihrem Referat auf die Medienerfahrungen Jugendlicher unterschiedlicher Schulformen ein und beschäftigte sich insbesondere mit dem „Pseudo-Spezialistenhabitus“, den Jungen oftmals an den Tag legen. Anhand exemplarischer Interviews erläuterte sie die häufig bestehende Diskrepanz zwischen tatsächlichem und vorgetäuschtem Wissen, welches vor allem bei männlichen Jugendlichen vorherrscht, um ihren Status in der Gruppe zu erhöhen. Um dem entgegen zu wirken empfiehlt sie den medienpädagogischen Lehrkräften, sich an den jugendlichen Medienwelten zu orientieren und auch einmal den Mut für einen spielerischen und experimentellen Umgang mit Medien im Unterricht aufzubringen.

Die vom Münchner Stadtjugendamt geförderten 12 Modellprojekte zum Thema „Geschlechtssensible Arbeit mit Internet und neuen Medien“ wurden von Klaus Schwarzer, dem Medienbeauftragten im Stadtjugendamt, moderiert. Einführende Worte sprachen Aylin Coruh-Schmidt und Hartmut Klick, die Beauftragten der Stadt München für die Belange von Mädchen und jungen Frauen sowie Jungen und jungen Männern. Aylin Coruh-Schmidt reflektierte kritisch die Medienwirkung auf Mädchen und die damit verbundenen potentiellen Gefahren. Hartmut Klick machte auf die Geschlechterbilder aufmerksam und forderte die Auflösung von stereotypen Verhaltensmustern.

Im Programmpunkt „best practice“ wurden überregionale Modellprojekte aus dem pädagogischen Bereich vorgestellt. Elisabeth Seidel vom Münchner Verein „Kompetenz für Frauen“ präsentierte ihr Projekt „IT-Club für Mädchen“.

Das „Forum Politische Bildung Schwaben“ stellten Andreas Bärnreuther und Martina Mobley vor.
Klaus Lutz vom Nürnberger Medienzentrum Parabol präsentierte Projekte aus dem Bereich „Integrative Medienarbeit mit Heranwachsenden mit und ohne Behinderung“ und Beate Part und Christian Lang vom Landesjugendreferat Oberösterreich stellten das interaktive Jugendmagazin CyberMag vor.

Einen Ausblick über den pädagogischen Tellerrand bot der Programmpunkt „Handlungsfelder“, der sich mit neuen Interaktionsmöglichkeiten im Zeitalter digitaler Kommunikation beschäftigte. Als Beispiel für Partizipationsprozesse im Internet wurde die freie Enzyklopädie Wikipedia durch Elisabeth Bauer (Wikimedia e.V.) vorgestellt. Christof Weisenbacher von Attac München berichtete von den Möglichkeiten zur Vernetzung, Kommunikation und Organisation, die das globalisierungskritische Netzwerk mithilfe digitaler Medien nutzt. Der Online-Journalist Thomas Mrazek beschäftigte sich mit dem Thema Weblogs und Online-Journalismus und gab den Tagungsteilnehmern hierzu interessante Anregungen.

Als Abendprogramm des ersten Tages wurde ein „Digitales Lagerfeuer“ präsentiert. Dr. Sirikit Amann vom KulturKontakt Austria stellte Animationen und Filme junger Menschen vor. Anschließend wurde der Kurzfilm „Parallelwelten“ von Tobias Henkel gezeigt, der sich mit der Vermischung von realer und virtueller Welt auseinandersetzt.

Verantwortlich für das  Gautinger Internet-Treffen waren  Albert Fußmann (Institut für Jugendarbeit Gauting) und Hans-Jürgen Palme (SIN – Studio im Netz e.V.), sowie der Organisator Björn Friedrich (SIN – Studio im Netz e.V.).


Impressionen

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