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Handys in Schulen
"Gewaltig - die eine und andere Seite der Medien"

Das Projekt bietet 5 Module, die entweder im Block als Projektwoche oder je nach Interesse und frei wählbarer Zusammensetzung auch als einzelne Projekttage gehalten werden können.

Ein Modul benötigt den Zeitraum von ca. 5 Unterrichtsstunden.

Modul 1: "Stille Bluetooth-Post" 

Die Stille Bluetooth Post soll im Rahmen diese Projektes uns als ein allgemeiner Einstieg in die Thematik der Gewalt dienen. Sie spielt mit freien Assoziationen zum Begriff Gewalt anhand derer man sich der Thematik annähern kann.

Die Stille Bluetooth Post kann man sich folgendermaßen Vorstellen:

Zunächst werden symbolträchtige Handy-Bilder zum Begriff der Gewalt an die ersten Teilnehmer per Bluetooth übermittelt. Diese sollten sie dann interpretieren und durch ein neues, in einem Handy-Bild erfasstes, Symbol an einem weiteren Teilnehmer verschicken. Diese wird wiederholt bis alle Teilnehmer zum Zuge kamen. Hier zeigt sich die Parallele zum analogen Vorbild. Durch die mehrfach erneuerte Umsetzung des symbolischen Gehaltes ergibt sich eine Verschiebung des Letzteren: Aus einem Liebessymbol wird ein Rosenkrieg.

Als Einführung dient uns die Stille Bluetooth Post dadurch, als das sie durch die gesammelten Symboliken / Assoziationen einen Kontext / ein Begriffsfeld abwirft, durch welches man sich dem Begriff der Gewalt sinnvoll und Umfeld bezogen annähern kann. Es ergibt sich z.B. in der Reihe von dem Liebessymbol und dem Rosenkrieg die Verwandtschaft von Hass und Liebe.

Durch diese freie und kontextbezogene Vorgehensweise ergeben sich zwei Vorteile:

Zum Einen eine selbstständige Ausarbeitung des Gewaltbegriffes durch die Gruppe, welche aber weder durch die Interaktion mit Pädagogen noch durch Clichés  beeinflusst wird. Es wird somit der bestehende Begriff der Gewalt eigenständig erweitert.

Desweiteren dient diese Herangehensweise der Beschäftigung mit der Kommunikation. Es werden hier die Möglichkeiten und Grenzen der Kommunikation durch die Verschiebung thematisiert und fruchtbar gemacht. Es wird mit der Kommunikation im Ganzen gespielt und gezeigt dass auch Missverstehen Kommunikation und neue Inhalte schafft.

Modul 2: Mediale Gewalt im Alltag

 "Medien-Gewalt-Schnappschuss"

In diesem Modul wird gemeinsam mit den Schülern erarbeitet, mit welchen gewalttätigen Medieninhalten man im alltäglichen Leben konfrontiert wird - gewollt wie auch ungewollt. Dazu zählen zum einen mit Absicht konsumierte Gewaltdarstellungen, z.B. gewalthaltige Filme und Serien, Ego-Shooter und Kriegsspiele für Computer und Konsolen, aber auch Wettkämpfe wie Boxen oder Wrestling im TV. Zum anderen sollen aber auch Gewaltdarstellungen berücksichtigt werden, denen man eher beiläufig begegnet, z.B. Fotos und Berichte aus der Tageszeitung, Nachrichten aus Radio und Fernsehen , ebenso „erzieherische“ Gewaltdarstellungen in Märchen oder Kinderbüchern (Paradebeispiel „Struwelpeter“).

Derartige Darstellungsformen werden von den Schülern mit dem Handy in Form von Foto-, Ton- und Videoaufnahmen festgehalten und in gesammelter Form gesichtet und besprochen. Mit der Klasse wird dann der mediale Gewaltkonsum reflektiert: Man erörtert gemeinsam, inwiefern die Gewaltrezeption die eigene Phantasie beflügelt und das eigene Vorstellungsvermögen vergewaltigt, ob die Gewaltdarstellungen reizen oder schockieren, ob sie abstoßend wirken oder anziehend, inwieweit sich Rezeptionsmuster verändern und abstumpfen – um so zu hinterfragen, wieso Gewalt so faszinierend und in Form von Filmen und Spielen kommerziell höchst erfolgreich ist.

Modul 3: „Mach es schön“ - Schönheit, Ästhetik, Geschmack.

Diese Begriffe sind von enormer Individualität geprägt. So ist für den einen ein Sonnenaufgang der Inbegriff der Schönheit, für den anderen hingegen ein Sonnenuntergang.

Medien bieten die Möglichkeit dem eigenen Schönheitsempfinden Ausdruck zu verleihen.

Hierzu sollen die Jugendlichen „schöne“ Videoclips mit dem Handy selbst produzieren. Solche Clips könnten  nachgespielte Liebesszenen sein oder einzelne Gegenstände aber auch Alltagssituationen.  Diese kurzen Sequenzen werden anschließend zu einem Ganzen zusammengefügt und der Klasse präsentiert. Die Jugendlichen sollen erkennen, dass Medien nicht nur eine Plattform für Gewalt sind, sondern auch  Schönes hervorbringen können.

Modul 4:

„mich nervt`s…!“

Hier wird den Jugendlichen ein Handy zur Verfügung gestellt, mit dem sie anonym  per SMS ein Statement, dazu abgeben können was sie nervt, ihnen auf der Seele liegt oder beschäftigt.

Das Handy wird von Klasse zu Klasse weitergereicht. Anschließend werden die aufgelisteten Probleme in der Schule veröffentlicht. Hiermit soll den Jugendlichen eine zeitgemäße  Plattform geboten werden, durch die sie ihr Schweigen brechen können. Auch soll ihnen vor Augen geführt werden, dass auch andere mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen haben. 

"mir gefällt's": Abbildung schöner Medieninhalte

 Aufgabe: Nehmt auf, was euch in den Medien gefällt! Macht Fotos von einer Zeitung, ein kurzes Video von einer Szene im Fernsehen oder Tonaufnahmen aus dem Radio oder Fernsehen etc., je nach dem, was ihr in den Medien schön findet!

Unter dem Überthema „Gewaltige Medien“  im Sinne von positiv erlebten Medieninhalten, sollen die Schülerinnen und Schüler die von ihnen rezipierten Medien dahingehend untersuchen, welche Inhalte ihnen besonders gut gefallen. Mittels dem multifunktionalen Medium Handy können sie kurze Ausschnitte des Gesehenen entweder mit der Videofunktion aufnehmen, ein Foto davon machen oder auch einzelne Tonsequenzen festhalten. Entstehen soll dadurch ein facettenreiches Abbild dessen, was Jugendliche als ästhetisch und interessant empfinden. Dieser analytische Prozess dient einerseits den Medienpädagogen dazu, festzustellen, welche medialen Inhalte Jugendliche anziehend finden. Andererseits werden die Jugendlichen dazu angeleitet, Medien nicht passiv und unreflektiert zu konsumieren, sondern sich kritisch damit auseinanderzusetzen, welche Medien und welche Medieninhalte sie bevorzugen und warum. 

 Modul 5: Jugendliche produzieren mediale Gewalt

"wie gemein"

In diesem Modul werden die Schüler mit medialer Gewalt konfrontiert, die von Jugendlichen mit Hilfe diverser Handyfunktionen produziert und ohne weiteres in den öffentlichen Raum gestellt werden können. Berücksichtigt wird zum einen die Möglichkeit per Handy unbemerkt Videoclips, Tonaufnahmen oder Bildmaterial von Mitmenschen zu erstellen und diese als Datenmaterial im Internet zu veröffentlichen oder an weitere Personen z.B. per Bluetooth weiterzugeben. Zum anderen aber auch die Option, private Textnachrichten (SMS) an beliebig viele Personen unverändert weiterzusenden und so den Verfasser bloßzustellen. In diesen Fällen wird die Privatsphäre der ungewollten Darsteller verletzt und somit subtil Gewalt ausgeübt. Die Macht der Publikation, über die jeder Handybesitzer mittlerweile verfügt, soll dadurch bewusst gemacht und kritisch diskutiert werden. Grundlage der Diskussion stellen dabei anonyme Videobeispiele dar.

Einen weiteren Punkt stellen die Gewalthandlungen dar, die „nur“ ausgeübt werden, um an Datenmaterial zu gelangen, d.h. ein Mitmensch wird scheinbar grundlos angegriffen, während andere das Geschehen per Handy mitfilmen (Happy Slapping oder Bitch Slapping). Die so entstandenen Videos werden anschließend im Internet veröffentlicht.

 

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